Die Dreistaatenlösung vor dem Aus

Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit in Bayern erinnern. Wir hatten gute Schulen – besser als heute (dank Pisa). Aber auch damals schon gab es Schulfächer, die noch weniger beliebt waren als Mathe. Geschichte und Chemie zum Beispiel. Beide Fächer fielen mir dagegen besonders leicht. Es war keine Kunst eine Eins in Geschichte zu kriegen. Man mußte ja nicht mal irgendwelche Redox-Gleichungen üben und auch keine molaren Massen berechnen. Man mußte es nur irgendwie in seinen Schädel kriegen, dann war die Eins sicher
Eigentlich ein billiger Erfolg.

Ich kann hier nicht meine Schulzeit beschreiben und wie sie sich auf mich im Einzelnen auswirkte, jedoch hat sich wenigstens unser Klassenleiter, unser Mathematik- und Physiklehrer vier Jahre lang daran abgearbeitet, daß der Themenkomplex Nationalsozialismus+Faschismus+Holocaust in unseren Köpfen verankert war.

Ich kann mich sehr gut erinnern, was wir alles im Geschichteunterricht gelernt haben und daraus ergibt sich auch, was wir alles NICHT lernten.
Beide Weltkriege wurden Stiefmütterlich berhandelt. Da ändert der Umstand, daß wir mal ein KZ besucht haben, nichts daran. Und dabei wäre es gerade der erste Weltkrieg und vor allem seine Folgen und die Nachkriegsordnung wert, mindestens zwei Schuljahre zu belegen!

Mit Nichtwissen Behauptungen aufstellen

Wer weiß schon, daß das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg Kriegsteilpartei, also Belligerent, auf der Verliererseite war? Wer hat das schon präsent in seinem Gedächtnis, daß beide Kolonialreiche, die Österreichische K&K-Monarchie und das Osmanische Reich in der Folge des Ersten Weltkrieges praktisch ihre gesamten Kolonialreiche verloren haben?
Ehrlich gesagt: Fast keiner!
Die Österreicher freilich und natürlich die Türken, aber fragen Sie mal einen Türken nach den Ausmaßen der K&K Monarchie und fragen Sie mal einen Österreicher nach der Ausdehnung des Osmanischen Kolonialreiches.

Fast alle wissen nichts, jedoch, haben die meisten eine Meinung, die sie auf falschem Geschichtswissen gründen.

Gehört das Territorium einer Kolonie den Kolonisatoren?

Nehmen wir mal Griechenland:
Griechenland war eine Kolonie des Osmanischen Reiches.
Gehörte Griechenland nun den Griechen oder den Türken?

Das ist eine einfache Frage, die der durchschnittliche Europäische Gutmensch mit “Natürlich den Griechen!” beantworten würde.

Nehmen wir mal an, die Osmanen (Türken) hätten 95% der Griechen umgebracht oder vertrieben und es wären nur noch 5% der ursprünglichen Griechischen Bevölkerung in Griechenland und die Osmanen hätten dafür hunderttausende Muslime aus ihrem ganzen Kolonialreich dort angesiedelt, um die Griechen zu verdrängen.

Die meisten noch lebenden Griechen lebten dann irgendwo in der K&K Monarchie.

Würden Sie dann immer noch sagen, daß Griechenland den Griechen gehört?

Wenn Sie einen Funken Anstand haben, würden Sie hier mit “JA!” antworten, auch wenn die Türken Griechenland Jahrhundertelang beherrschten.

Genauso ist es mit Zyprioten und Zypern und vielen anderen Völkern.

Was tun mit den Kolonisatoren?

Im Falle Griechenlands wurde pragmatisch und korrekt verfahren. Der Völkerbund entflechtete die Bevölkerung. Griechen, die auf künftig Türkischen Territorium lebten, mußten absiedeln und auf Griechisches Territorium umziehen und Türken, die auf künftig Griechischem Territorium lebten, mußten ebenso absiedeln und auf Türkisches Territorium umziehen.
Dafür gab es wichtige Gründe: Man wollte einem eventuellen Bürgerkrieg zwischen Griechen und Türken von vorne herein die Grundlage entziehen.

Das hier beschriebene, ist Teil des Vertrages von Lausanne, in dem die moderne Türkei, der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches Völkerrechtlich verbindlich in seine Zerschlagung und Auflösung einwilligte und dafür einen Friedensvertrag bekam. Ebenso willigte die Türkei in die Mandate, also in die Schaffung von Nationalstaaten, in den früheren Kolonien, ein.

Was man hier richtig machte, hat man anderswo versäumt.
Anderswo blieben die Kolonisatoren wo sie waren und mußten nicht absiedeln.
Deshalb war es aber noch lange nicht das Land der Kolonisatoren

Osmanisches Landrecht

Die Entflechtung der Türkischen und Griechischen Bevölkerung wurde darurch vereinfacht, daß das Osmanische Reich kein modernes Landrecht hatte. Das Osmanische Landrecht war noch am ehesten mit dem mittelalterlichen Lehensrecht in Europa vergleichbar. Tatsächliches Eigentum an Land hatte nur der Sultan, der als absolutistischer Herrscher das gesamte Reich regierte. Seine Untertanen bekamen Land, um es zu bewirtschaften, nicht jedoch zum Eigentum!

In einem Bericht der Weltbank, der am Sep 27, 2018 als überarbeitete Version mit dem Titel

The Economic Effects of Restricted
Access to Land in the West Bank

veröffentlicht wurde, erklären die Autoren, unter denen nur Europäer und Araber waren,

Historically, land registration in the West Bank had been low: only 33% of the West Bank overall and 31% of Area C is formally registered (i.e., titled) 33 . The registration process which had started in the 1920’s, and continued through the Jordanian period, was halted by Israel in 1968. Even during the period when registration was available, many land-owners avoided registration, or under-reported actual amounts of land, and this for a number of reasons: efforts to avoid taxes, the fact that in traditional settings official titling and registration was not always necessary to exercise land rights, and general registration of individual titles to land was mostly incompatible with traditional communal ownership of the land and/or with extended family ownership of the ancestral property.

Diese Passage des Berichts ist entscheidend, denn sie transporiert tonnenweise juristisch wirksame Informationen. Lassen Sie das auf sich wirken und gleichen Sie das mit dem Vorwurf ab, die Juden wären 1948 ja nur von rund 5% des Landes Eigentümer gewesen.
Die Araber hatten auch nicht mehr beim Kataster als ihr Eigentum registriert, denn beide Volksgruppen hatten es vermieden ihr Land beim Kataster zu registrieren.
Nur kam es dann zu einem verhängnisvollen Ereignis: Zuerst der Bürgerkrieg und dann der Krieg und nachdem die Araber zu Beginn des Nahost-Krieges geflüchtet waren, um außerhalb der Kriegszone die Vernichtung Israel’s abzuwarten – sie waren dazu von dem Kriegsherren der Umliegenden Staaten Syrien, Libanon, Trans-Jordanien, Iraq und Ägypten, aufgefordert worden – stellte sich das sicher geglaubte Ergebnis nicht ein. Israel wurde nicht vernichtet und diese fünf Arabischen Staaten und ihre beiden Unterstützer Saudi Arabien und Yemen verloren den Krieg. Nach alldem, was sich vor und während des Krieges ereignet hatte, weigerte sich Israel zunächst überhaupt irgendwelche Araber nach Israel zurück zu lassen.

Während sich die Welt nun auf Israel konzentrierte und es auf einer weiteren Konferenz von Lausanne im Jahre 1949 bedrängte die Araber doch zurück zu lassen, stellte sich Israel auf den folgenden Standpunkt:

  1. Man habe nur wenige zehntausend Araber vertrieben. Der Rest sei nach Aufforderung durch die Arabischen Kriegsgegner von alleine aus dem Kampfgebiet geflüchtet. Was vollkommen richtig war.
  2. Es ist nicht sichergestellt, daß bei denen, die nun “zurückkehren” sollten, tatsächlich um jene Menschen handele, die zuvor das Gebiet verlassen hätten, denn die meisten waren nicht wirklich seßhaft und viele stammten von vorneherein nicht aus der Gegend.
  3. Sei man nicht Verursacher des Konflikts und mithin auch nicht für die Flüchtlingssituation verantwortlich. Diese Verantwortung läge einzig bei den Arabern.

Auf der anderen Seite, vertrieben die Jordanier die Juden aus dem Ostteil Jerusalems und zerstörten das Jüdische Viertel. Sie schändeten den Jüdischen Friedhof auf dem Ölberg und verwendeten die Grabsteine zum Straßen- und Latrinenbau, sie zweckentfremdeten Synagogen als Lagerhäuser und Stallungen für Tiere oder zerstörten sie gleich ganz. Außerdem vertrieben die Jordanier die Juden die in der sog. West Bank, also Shomron und Yehuda lebten. Diese beiden Gebiete sind praktisch die Urheimat des Jüdischen Volkes. Dann Annektierte Trans-Jordanien die sog. West Bank (CIS-Jordanien) völkerrechtswidrig und benannte sich in Jordanien um.
Diese Vorgänge interessierten die Verhandler in Lausanne wenig.
Die Jüdische Allgemeine schrieb:

“Als 1948 die Hurva‐Synagoge in Ost‐Jerusalem durch jordanische Truppen gesprengt wurde, prahlte der verantwortliche arabische Kommandeur: »Zum ersten Mal seit 1000 Jahren verbleibt kein einziger Jude im Jüdischen Viertel. Kein einziges Gebäude verbleibt intakt. Das macht eine Rückkehr der Juden unmöglich.« Schon damals schwieg die Weltgemeinschaft, einschließlich ihrer zwei Jahre zuvor gegründeten Kulturorganisation UNESCO.”

Man muß zu diesem Zitat noch anmerken, daß Juden schon immer hier lebten.
Immer? Ja, zumindest nach Menschlichen Maßstäben! Die Juden gehören zu den ältesten noch existierenden Völkern auf der Erde, von denen mehr übrig ist als nur der Name und ein Land, das nach ihnen benannt ist. Die Ägypter wurden schließlich von den Arabern erobert und die eigentlichen Ägypter, die Kopten nämlich, machen heute weniger als 10% aus. Ägypten ist somit nicht mehr das Land der Ägypter und genausowenig ist der Libanon heute noch das Land der Libanesen, dessen Christliche Bevölkerungsmehrheit durch den brutalen Bürgerkrieg von 51% im Jahr 1932 (letzte Volkszählung) auf etwa 25% im Jahr 1985 dezimiert wurde. Die Ursprüngliche Bevölkerung, nämlich die Assyrer, wurden zuletzte durch einen Völkermord durch die Türken nochmal drastisch geschwächt und ist seit langem keine nennenswerte Größe mehr.
Aber die Juden sind da und es gibt nur zwei Optionen:

  1. Ihnen ihren Staat im Heimatland ihrer Vorväter zu lassen
    oder
  2. sie alle umzubringen und danach so zu tun, als wäre nichts.
    Etwas, was man in Europa UND im Arabischen Raum recht gut kann.

Bei den Verhandlungen in Lausanne (1949) weigerten sich die Araber dann wieder mal, sich mit den Juden überhaupt an einen Tisch zu setzen. Das hatten sie zuvor bei der London Conference (St James) 1939 auch so gehalten. Zudem bestanden sie darauf, daß man auf der Grundlage der UN-Resolutionen 194 und 181 verhandele, jedoch hatten diese Arabischen Staaten höchstselbst diese beiden Resolutionen abgelehnt und durch ihren Krieg, den sie gerade verloren hatten, im Kern gegen die UN-Resolution 181 verstoßen. Im Grunde hatten die Araber in Wort, Schrift und Tat gegen die Resolution verstoßen. In Wort, durch Ihr Abstimmungsverhalten. Sie hatten diese vollständig und geschlossen abgelehnt, in Schrift, durch das Cablegram, das sie zum Beginn ihres Vernichtungskrieges gegen Israel an die Vereinten Nationen schickten und in Tat natürlich zuerst durch den Bürgerkrieg, den sie gleich am nächsten Tag damit begannen indem sie Juden auf der Straße erschossen und schließlich durch den Vernichtungskrieg, den sog. Nahost-Krieg, der nicht klappte.
Später erließen die umliegenden Arabischen Staaten Gesetze, die es den sog. Palästina-Flüchtlingen unmöglich machten, sich in ihren Zufluchtsstaaten niederzulassen. Sie durften außerhalb der Flüchtlingslager keine Wohnung nehmen und sie durften keine Berufe ausüben. Das ist natürlich ein Verstoß gegen die Genfer Konventionen und damit Völkerrechtswidrig, aber auch davon nahm die Internationale Gemeinschaft keinerlei Notiz.
Auf diese Weise jedoch wurde der Grundstein für die unendliche Verlängerung des Problems der Palästina-Flüchtlinge gelegt.

Aber was war zuvor?

Juden beten am Kotel, Aufgenommen im Jahr 1894
Photographed by Daniel B. Shepp
This work is in the public domain in the United States because it was published (or registered with the U.S. Copyright Office) before January 1, 1924.

Naja, vor den Briten waren eben die Türken für etwa 500 Jahre die Kolonialmacht über das Territorium und davor die Mamluken für ungefähr 300 Jahre und davor die Christen, die das “Königreich Jerusalem” ausriefen, aber dieses “Königreich” war politisch nicht stabil und quasi vom ersten Tag in Krieg und Bürgerkrieg verwickelt UND es war zudem politisch NICHT selbständig – also doch eine Kolonie, bis die Kreuzritter von Saladin im Jahr 1187 vertrieben wurden. Vor den Kreuzrittern war das Fatimidische Kaliphat für gut 100 Jahre Kolonialherr über das Territorium und davor wechselten sich Rashidunische Kaliphat, die Umayyaden und die Abbasiden in rascher Folge als Kolonialherren ab. Und davor waren die Byzantiner die Kolonialherren – also das Oströmische Reich und davor war’s das Römische Reich und davor gab’s einen eigenständigen Jüdischen Staat, der sich seine Freiheit von den Griechischen Kolonialherren im Jahr 167 v.d.Z. mit dem Makkabäeraufstand erkämpft hatte.

Auf diesem Territorium haben immer Juden gelebt und es sind genau jene, die das abstreiten, die sich einerseits wort-wörtlich ohne Textverständnis auf die Tora beziehen und im nächsten Moment abstreiten, daß an der Tora auch nur irgendwas glaubwürdig sei.
Nur soviel: Der Staat Israel wurde zum ersten Mal im Jahre 1208 v.d.Z., also vor rund 3228 Jahren schriftlich erwähnt.

Das Haus David wurde zum ersten Mal vor knapp 2900 Jahren auf der Tel Dan Stele erwähnt.

Und überhaupt würde ich gerne von den sog. Palästinensern erklärt kriegen, wer die Rollen von Qumran geschrieben hat, in denen auch das Buch Isaiah enthalten war

Wenn es in dem Land keine Juden gab, wie konnten die Ägypter im Jahr 1834 so grausam gegen die Juden von Hevron zuschlagen? Und vor allem gegen die Juden härter als gegen alle andere obwohl die Juden an dem eben niedergeschlagenen Aufstand überhaupt nicht beteiligt waren?

Wie konnten die Drusen im gleichen Jahr die Juden in Safed so grausam massakrieren und alles plündern, das sie ergattern konnten?

Wie konnten die Türken im Jahr 1517 die Juden so grausam massakrieren und ihre Frauen vergewaltigen, wo es doch nur Araber gab?……

Nicht die Juden sind die Kolonisatoren in diesem Land, sondern einzig die Araber. Nicht die Juden sind die Siedler, denn es ist ihre Heimat. Die wohnen da.

Angesichts der Existenz Jordaniens und der Umstände, wie es zu dessen Staategründung kam, existiert die Zweistaatenlösung seit 1946. Alles weitere wäre eine Dreistaatenlösung. Diese hätte es bereits fünfmal geben können und jedesmal schlugen die Araber (pardon, die sog. Palästinenser aus)

  1. Im Jahr 1939 ließen die Araber die London Converenz (St. James) platzen. Erst mal weigerten sie sich, sich mit den Juden überhaupt an einem Tisch zu setzen und dann lehnten sie alle drei Partitionierungspläne der Peel Commission (Mac Donald White Paper ab.
  2. Im Jahr 1947 lehnten sie geschlossen die UN-Resolution 181 ab und begannen tags darauf den Arabisch-Jüdischen Bürgerkrieg
    Zitat Wikipedia: Beginning of the Civil War (30 November 1947 – 1 April 1948)
    »The first casualties after the adoption of Resolution 181(II) by the General Assembly were passengers on a Jewish bus driving on the Coastal Plain near Kfar Sirkin on 30 November. An eight-man gang from Jaffa ambushed the bus killing five and wounding others. Half an hour later they ambushed a second bus, southbound from Hadera, killing two more. Arab snipers attacked Jewish buses in Jerusalem and Haifa.«
  3. Nachdem die Araber im Jahr 1967 erneut zum Vernichtungskrieg gegen Israel ansetzten und auch deutlich erklärten, daß sie alle Juden umbringen würden und nachdem sie schließlich im Sechstage-Krieg verloren hatten, machte ihnen Israel das Angebot, daß man alle eroberten Gebiete gegen Frieden zurückgeben würde. Die Araber lehnten das mit ihren drei Nein in der Khartoum-Resolution kategorisch ab:
    1. NO peace with Israel – Kein Frieden mit Israel
    2. NO recognition of Israel – Keine Anerkennung Israels
    2. NO negotiations with Israel – Keine Verhandlungen mit Israel
  4. In den Osloer Verträgen versuchte man einen Weg zu zeigen, wie man einen Staat für diese sog. Palästinenser schaffen könnte und weil diese sog. Palästinenser im Sinne des Völkerrechts nicht rechtsfähig sind, traten die USA unter Bill Clinton als Zeuge ein. In der Folge wollte man dann endlich diesen Staat schaffen und Präsident Clinton lud zum Gipfel nach Camp David.
    https://youtu.be/SwH2zx93tMo
    Yassir Arafat lehnte schließlich alles ab und startete die 2. Intifada. Die Folge waren hunderte toter Juden und tausende verletzte und verstümmelte.
  5. Im Jahr 2008 machte Ehud Olmert ein nochmal leicht verbessertes Angebot an Mahmoud Abbas. Der reagierte nicht mal.
  6. Es gab noch weitere Versuche, die Abbas dann immer platzen ließ, indem er einfach nicht reagierte oder einfach Bedingungen stellte, die einfach gar nicht gehen. So zum Beispiel im Jahr 2014, als er Obama eine Abfuhr erteilte.