Zeichen einer Ökonomie ohne nennenswerte Wertschöpfung

Seit Hartz-IV, Mindestlohn, Mini-Jobs, Ich-AG und 1€-Jobs hat sich der Arbeitsmarkt und damit auch unsere Wirtschaft verändert.

Wer macht denn sowas? Das Produkt ist nicht das Getränk, sondern es ist nur die Lieferung desselben.
“Durstexpress” ist eines der vielen neuen Unternehmen – ein Platzhalter – , die keine greifbaren Produkte haben, so wie viele dieser new-economy Unternehmen. Am Ende radelt ein Fahrradkurier mit einem Kasten Bier auf dem Gepäckträger durch die Gegend und dafür kriegt er den Mindestlohn. Was bleibt ist eine resolut gestraffte Administration, die den letzten Cent aus dem Unternehmen quetscht. Kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, Beschäftigungsverhältnisse wohl nur für 3 Monate befristet, damit man kein Krankengeld bezahlen muß,
Am Ende verdienen nur zwei oder drei Leute nennenswert und ihre Hauptaufgaben sind:
1. Einkaufspreise drücken
1.1 Einkaufspreise für Produkte
1.2 Einkaufspreise für Arbeitskräfte (Lohn)
2. Den Nachschub gewährleisten
2.1 den für Produkte
2.2 um die enorme Fluktuation der Arbeitskräfte auszugleichen.

Am unteren Ende bleiben viele prekär Beschäftigte, sei es bei Lieferando, bei Rewe, bei Call a Pizza, bei Durstexpress…… bei Max Grün, Pin Mail, Post/DHL…… Amazon, Airbnb…..
Läden wir Airbnb, etc drehen die Schraube noch ein Stück weiter:
Der Kundenservice wird out-gesourced und zwar an Läden wie etwa SELLBYTEL oder Arvato oder citel…. und die holen sich etwa 50% ihrer Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen und da verdienen die Beschäftigten dann wenigstens 30 Cent über dem Mindestlohn und Zuschläge für Spätschicht und Sonn- und Feiertage. Nach einem halben Jahr winkt die Übernahme beim Auftragsnehmer und der bezahlt dann nur noch 15 Cent über dem Mindestlohn und keine Zuschläge mehr. Damit sind die Arbeitnehmer minimal über dem Niveau auf das Hartz-IV Aufstocker kommen, müssen aber den vollen Preis für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen und überall den vollen Eintritt……, während Hartz-IV-ler dafür überall Ermäßigungen kriegen.
Diese Entwicklung schlägt seit 14 Jahren durch. Schröder hat ganze Arbeit geleistet. man wollte wieder ein Proletariat und das hat man jetzt. Millionen prekär Beschäftigte und viele, die sich denken, daß sich bei solchen Bedingungen Arbeit einfach nicht mehr lohnt.
Was bleibt ist eine Wirtschaft ohne Wertschöpfung, eine Wirtschaft, die keine hochwertigen Produkte mehr hervorbringt sondern nur noch dazu dient einem gevievten Geschäftsmann ein gehobenes Einkommen zu verschaffen.

Ich weiß nicht, was man den Politikern heute unterstellen soll. Dummheit? Boshaftigkeit? Zynismus? Alles zusammen?
Auf jeden Fall sind die ziemlich weit von der Realität entfernt.

Vielleicht mag sich noch irgendwer an den Fall von Nokia in Bochum erinnern. Damals wurde ein ganzes Werk geschlossen und rund 4.000 Beschäftigte gekündigt. Mit EU-Subventionen (D-Land ist Nettozahler) wurde die Fabrik dann nach Rumänien verlagert. Nokia mußte dafür eine Zeitliche Bindung eingehen und soundso viele Jahre dort bleiben. Als diese Frist abgelaufen war, wurde das Werk dort geschlossen und nach China verlagert. Die Arbeitsplätze sind futsch.

Was bleibt sind immer mehr einfache Jobs, bei denen es keine nennenswerte Wertschöpfung mehr gibt. Es werden Dinge hin und her gefahren, es wird telephoniert und die Arbeitgeber verweisen stolz darauf, daß sie Mindestlohn bezahlen.

Der Paketbote kriegt auch nur noch knapp über dem Mindestlohn und das für 40 Wochenstunden – 8 Stunden täglich. Die Touren, die er verpaßt kriegt fordern aber 10 Stunden. Wenn der Paketbote was sagt, dann zuckt der Disponent nur unschuldig mit den Achseln und erklärt, daß er die Touren für 8 Stunden macht und er, der Paketbote, halt zu langsam sei.

Die Küchenhilfe, die eigentlich um 07:00 Uhr das Frühstück für ein Pflegeheim fertig haben sollte, kommt nicht durch, weil ihr die Teller ausgehen. Was ist passiert? Die Spülerin ist nicht gekommen. Also muß die Küchenhilfe selber ran, sie spült sich die Teller, macht das Frühstück fertig……. und verliert 45 Minuten. Am Nachmittag nochmal das Selbe. Sie fängt um 06:00 Uhr an und anstatt um 14:30 Uhr nach hause zu gehen, kommt sie erst um 16:00 Uhr raus. Überstunden kriegt sie dafür nicht bezahlt. Ihr Arbeitgeber plaumt sie höchstens an, daß sie nicht zeitig fertig geworden ist…….. Es gibt immer mehr dieser “Jobs”. Das Wort Arbeitsplatz hört man auch in den Medien nicht mehr.