Manchmal sollten “sie” einfach nur den Mund halten

Das hier ist eine Antwort auf einen Thread, der sich bei Facebook entwickelt hat. Allerdings ist diese Antwort viel zu lang für facebook. Das packt der Editor dort nicht. Also veröffentliche ich es hier und stell’ bei FB nur den Link ein.Das nenn’ ich mal Chutzpah!
Also, dann fangen wir mal mit der Dekonstruktuion des Intellektuellen an:
Ich finde, es gehört unter sog. “Intelektuellen” zum guten Ton, daß man sich nicht selber als solche/n bezeichnet, sondern daß man es sich immer wieder erarbeitet, von seiner Umwelt als solcher gesehen zu werden.
Das sind die Mühen der Ebene und die hast Du mir gegenüber noch nicht geleistet.
Dazu kommt, daß ein umfassendes Wissen einen unabdingbarer Bestandteil der Intellektualität darstellt und diesen Satz möchte ich als Einleitung verwenden, zu dem was nun folgt:

Vorab: Ich mache hier Fußnoten!

Ich spreche zu Dir als eine Person, die, wäre ich nur 20½ Jahre früher geboren, unmittelbar nach ihrer Geburt von den Deutschen umgebracht und mit dem Infektionsmüll entsorgt worden wäre. Meiner Mutter hätte man dann wohl erzählt, daß ich nicht lebensfähig gewesen sei. Zu den drei anderen Gründen mich zu vergasen wäre es dann gar nicht mehr gekommen.
Versteh’ mich bitte nicht falsch: Ich VERLANGE von den Deutschen (und von Dir als Schweizer “Intellektuellen” ebenso), daß mit dem Thema aus gegebenem Anlaß SEHR vorsichtig umgegangen wird! <- das ist ein sehr ernst gemeintes Rufezeichen!)

Ich möchte hier zuerst an den ganz netten (kleine Schwester von ….. Du weißt schon) Zierrat aus dem Deutschen Grundgesetz erinnern: “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.” Dieser wohlfeile* Satz steht exemplarisch für schlechte Verhältnis der Deutschen (und der Schweizer) zur Würde des Menschen. (Ich möchte Dich bei dieser Gelegenheit an die unsägliche Geschichte der Verdingkinder erinnern, sie aber nicht weiter diskutieren. Diese Scheiße gab’s in abgewandelter Form in D-Land und in Ö-Reich ebenso)
Was der Abs. 1 genau bedeutet sagt der GG Artikel 1 Abs. 3 “Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.”
Aha! Und das was vor Artikel 1 Abs. 3 steht?
In Deutschland ist Folter kein Straftatbestand, wie wir durch den Fall Gäfgen/Daschner schmerzhaft erfahren mußten und auch nachdem es sich als ein unmögliches Unterfangen erwiesen hatte, den Daschner** zu verknacken, glänzte die Deutsche Legislative durch Phlegma. Bis heute ist Folter in Deutschland kein Straftatbestand und das ist so auch gewollt***.

Ich möcht’ noch ein bisserl auf der Menschenwürde herumreiten, denn die ist ein unhandlicher Begriff.
Was ist die Menschenwürde überhaupt?
Hast Du eine?

Ich möcht’s hier nicht zitieren, nur referenzieren – die Präambel des Deutschen Grundgesetzes (google hilft)

Die Würde des Menschen wird von den einfacheren Gemütern in Deutschland als so wichtig angesehen, weil ihre Unantastbarkeit in Verbindung mit der Präambel des GG als der wichtigste Rechtsbegriff im Nachkriegsdeutschland erscheint.
So wichtig, daß man sie zur Stuckatur erhebt und für die Gesetzgebung indirekt als “NICHT BINDEND” erklärt.

Ich behaupte mal, daß die Identität des Menschen und deren Achtung ein wichtiger Bestandteil der Menschenwürde ist.

Wie würdest Du reagieren, wenn ich Dich vor allen Leuten nicht Valentin, sondern “Maria-Giselher-Heinz” nennen würde und Dich nach Möglichkeit zum Gespött machen würde?

Ich schreibe das, um Dir ein Gefühl dafür zu geben, wie es sich etwa anfühlt, wenn man nicht genau weiß, wer man ist und da weiß ich leider sehr genau von was ich rede. Oder wie es sich anfühlt, wenn man sein Leben spielen muß.
Geh einfach kommende Woche mal in Frauenkleidern zur Arbeit und versuch’ so zu tun, als wäre alles normal. Dann kriegst Du ein Gefühl dafür, wie es ist, sein leben spielen zu müssen, aber sein eigentliches Leben nicht leben zu dürfen.

Das Recht auf Identität ist ein integraler Bestandteil der Menschenwürde!
Und so eine Identität besteht nicht einfach nur aus Vorname und Name, sondern sie besteht zum Beispiel auch darin, daß Du weißt, wer Deine Eltern sind.

Ich weiß es nicht – zumindest nicht, wer mein Vater ist.

(Was jetzt kommt, ist keine Themaverfehlung!)

Du fügst Deine Identität aus vielen Einzelaussagen zu einer sog. “integrierten Identität” zusammen.

– Ich bin ein Mensch
– Ich bin eine Frau ( http://www.spiegel.de/panorama/justiz/zum-mann-umoperiert-intersexuelle-krankenpflegerin-verklagt-chirurgen-a-522948.html )
– Ich bin Jüdin und Bayerin (ich habe mich nie als Deutsche Gefühlt)
– Ich bin Linkshänderin (zur Rechtshänderin erzogen – harte Tour!)
– Ich bin eine gute Köchin
– Ich bin eine gute Informatikerin
– Ich bin politisch
– Ich bin religiös
– Ich bin ……..

Die Frau in dem Spiegelartikel ist 8 Jahre älter als ich. Hätte sie mit 15 Jahren (also 1975) gesagt, “Ich bin aber ein Mädchen und möchte auch so leben.”, dann wäre sie in Deutschland, und auch in Österreich und wohl auch in der Schweiz, als perverse Straftäterin angesehen worden und man hätte sie der forensischen Psychiatrie überantwortet, denn mit der fatalen Fehlentscheidung der Ärzte bei ihrer Geburt wurde das Mädchen zu einer “Mann-zu-Frau-Transsexuellen” gemacht****. Und dann wurde das Messer augepackt und geschnitten.
Solche Menschen wurden nie entschädigt. Wenn sie nicht funktioniert haben, wurden sie eben geschlagen, bis es ihnen besser ging oder es wurde mit Erziehungsheim gedroht oder diese Drohung wahrgemacht. Mit den Schulkameraden lief’s nicht besser. Jeder spürte, daß mit “dir” was nicht stimmt und das macht Dich automatisch zum Prügelknaben. Meine Nachbarn wußten mehr über mich, als ich.

Zur Identität als Jüdischer Mann gehört ausdrücklich die Brit Mila am achten Tag nach der Geburt.

Das ist so, ob Dir das gefällt oder nicht.

Wir Juden mußten uns von den Christen immer wieder “erklären” lassen, daß wir keine Juden sein dürfen. Wir mußten uns von den Christen (und ihren athestischen Nachfahren) erklären lassen, daß man unser Buch, den Tanach ganz anders verstehen müsse, nämlich so wie sie, Christlich und wörtlich und man müsse einen möglichst ignoranten Interpratationsansatz wählen und daß man den auch ganz anders kanonisieren müsse, nämlich Christlich…… und daß wir uns taufen lassen müssen, andernfalls man uns leider nicht begraben könne, nachdem man uns umgebracht hat. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Judenstrafe ) Dem Juden wurde also angeboten, er müsse sich noch taufen lassen, dann bekäme er wenigstens eine ordentliche Bestattung – hingerichtet würde er jedoch unter allen Umständen.

Und so ist auch meine Familie (Edlmann – mütterlicherseits) irgendwann katholisch gemacht worden. Das hat ihnen ein schwieriges Leben unter den Nazis nicht erspart. Reich waren sie nicht und so konnten sie nicht auswandern. Den Ariernachweis haben die glatt gerissen und so folgte kein einfaches Leben, aber wenigstens ein glückliches Ende, denn obwohl zur Deportation vorgemerkt, war der Krieg noch vorher zuende.

Für meine Mutter war dann im Jahr 1945 mit 10 Jahren die Schule aus und sie kam auf einen Bauernhof und wurde dort eine Magd.

Das war Deutschland – das waren die Deutschen!

Der Mann, der sich als mein Vater ausgabt und der mich im Namen des Vaters windelweich geschlagen hat, war das krasse Gegenteil. Die Großmutter mußte noch zweimal ran, damit sie das eiserne Mutterkreuz kriegt. Der älteste Sohn war im Krieg und wurde verwundet, dieser “Vater” war in der Hitlerjugend und die beiden Nachzügler hatten das unverschämte Glück, daß sie in dieser Zeit noch in die Windeln scheißen durften. (Um’s klar zu sagen: Der war nicht mein Vater)

Während meine Mutter halbwegs liberal war, war dieser Mann ein Katholischer Kuttenbrunzer – durch und durch Nazi, ein Anti-Semit wie er im Buche steht, der größten Wert auf meine kathlische Erziehung legte.
Naja, immerhin hat er als schlechtes Beispiel gute Dienste geleistet. Ich weiß nicht, wie meine Mutter das ausgehalten hat, aber es Scheidung war für ihre Generation wohl keine Option, so wie für die Frau von Joachim. Joachim Schlichting war SS-Major. Ich würde ihn ohne Federlesen als Kriegsverbrecher bezeizeichnen. Unmittelbar nach der Wiederbewaffnung machte er Karriere in der Deutschen Luftwaffe. Er heiratete eine Frau aus Genf. Ein Schweizer Verwandter aus Locarno hat die paar wenigen aus unserem Stamm in der Schweiz zusammengesucht und nur noch Joachims Witwe gefunden. Die sagte nicht viel, nur “Ich bin froh, daß diese Drecksau tot ist.” Soviel zu Joachim!

Und Joachim ist kein Einzelfall! Das Deutsche Volk ist das Deutsche Volk und über diese Tatsache hilft auch kein kollektiver Gedächtnisverlust hinweg.

Wie soll ich also irgendjemanden ernst nehmen, der das alles (nicht meine persönliche Geschichte, sondern die im Großen und Ganzen) einfach ignoriert und der von außen daherkommt und mir erklären will, was Sache ist; so tut, als gäbe es immer eine höhere Wahrheit die jede Dummheit rechtfertige und nach der man berufen sei, den Juden die Welt zu erklären?!

Weißt Du, wie Du mir (und den vielen anderen Juden) erscheinst?
Ich werde das hier nicht schreiben, denn das wäre eine krasse Beleidigung.

Nur soviel: Du kannst bei Dir in der Schweiz den Stall ausmisten, das geht Dich was an, aber was uns als Juden ausmacht, geht Dich einen Scheißdreck an – im positiven wie im negativen Sinne!

Alleine aus dieser Perspektive betrachtet sind die Nachfahren derer, die fast die Hälfte unseres Volkes ermordet haben, die Letzten, die sich vordrängen dürfen, um uns die Welt zu erklären.

Es steht Euch nicht zu!

Und das gilt auch für Dich, auch wenn die Schweizer nicht direkt an der Judenverfolgung beteiligt waren, aber sie haben die Juden die bei ihnen Schutz gesucht hatten wieder nach Deutschland ausgewiesen, wenn ihnen das Geld ausgegangen war (und noch ein paar andere Dinge).

Dazu kommen noch die medizinischen Vorteile der Circimcision:
http://www.who.int/hiv/topics/malecircumcision/fact_sheet/en/
http://www.pepfar.gov/countries/cop/240153.htm
Die Vorteile der männlichen Circumcision sind so schlagend, daß sich jede Diskussion erübrigt. Die Studie zum Thema Circumcision und Aids, die vor einigen Jahren in Mosambique mit 3000 Männern (1500 davon unbeschnitten) durchgeführt wurde, nahm einen so dramatischen Verlauf, daß sie abgebrochen wurde und man den unbeschnittenen Männern die kostenlose Circumcision anbot.

Indirekt lassen sich die gleichen Schlüsse für HPV ziehen, denn die Frauen in Gesellschaften, in denen die Männer frühzeitig beschnitten werden, erkranken sehr viel weniger an Gebährmutterhalskrebs als Frauen in Gesellschaften, in denen die Männer nicht beschnitten werden.
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*) wohlfeil – billig, platt, abgedroschen,…… Ich meine damit, daß es sich um eine hohle Phrase handelt

**) Wolfgang Daschner war als Vize-Polizeipräsident der Stadt Frankfurt am Main ein herausragender Vertreter der “staatlichen Gewalt”!

***) In Deutschland ist Folter, die im Ausland begangen wurde sehr wohl strafbar (siehe Völkerstrafgesetzbuch) ihre Strafverfolgung unterliegt allerdings dem sog. Opportunitätsvorbehalt. Das heißt, es wird nur verfolgt, wenn die Regierung es für opportun erachtet. Wenn es nicht opportun ist (etwa weil man mit dem Arschloch noch ein paar lukartive Waffengeschäfte machen möchte), dann geht der Delinquent frei. Ist ja nicht so wichtig.

****) Wir sehen an diesem Beispiel, daß Transsexualismus gar keine psychische Erkrankung sein kann.