Dieses Tier ist umsonst gestorben

 

Vergangenen Shabbat habe ich im Jerusalem Hostel verbracht und dort gab’s ein Shabbat Dinner. Das Dinner wurde von einem Gast organisiert jedoch vom Hostel ausgerichtet. Weil ich nicht viel Geld habe, hab’ ich halt geholfen es zuzubereiten und schon das war ein gewisses Erlebnis. Die Dame, die das Mal zubereiten wollte, konnte nicht mal Zwiebeln schneiden. In einer großen Plastiktüte hatte sie geachtelte Zwiebeln und bat mich diese in kleine Würfel zu schneiden. Das ist freilich sehr sehr mühselig, dennn die Schichten hatten sich bereits voneinander gelöst. Ganze Zwiebeln hätte ich zehnmal schneller in kleine Würfel schneiden können. Dann hatte sie Hühnerbrühe zubereitet und als erstes wollte sie das Fett von dieser Brühe abschöpfen. In den USA machten sie das immer so. Sie war sich bei dieser Aussage wohl nicht darüber im Klaren, daß die USA ein großes Land sind und daß es dort viele Gegenden mit durchaus guter Küche gibt, in der man dieses Fett wegen seiner Eigenschaft als Geschmacksträger und auch wegen seiner Fähigkeit bestimmte Vitamine überhaupt erst zu lösen durchaus schätzt.

Ein Beiprodukt dieser Hühnerbrühe war freilich das zutode gekochte Hühnerfleisch. Dieses war zu würfeln geschnitten. Zur Vorspeise wurden unterschiedliche Salate zubereitet, von denen nur der typische Israelische Salat angemacht war, es gibt auch richtig schlechte Versionen davon, aber der war ganz Ordnung. Die Dame hatte die Küche ganz an sich gerissen. Sie wußte zwar, daß sie vieles nicht kann, aber sie war völlig von sich überzeugt, daß sie ein gutes Mal herstellen würde.

Als wir dann zu Tisch saßen ereignete sich eine Offenbarung. Der junge Mann vom Hostel haspelte die Texte runter. Im Wesentlichen leierte er nur die Segenssprüche runter, also das eigentliche Geschäft des Kiddush hat er völlig verpaßt – Themaverfehlung! Ich habe ihn unterbrochen, denn ich wollte mir zwischen dem Segen für den Wein und dem für’s Brot die Hände waschen. Das gehört dazu und er wollte es auslassen und so mußte die Gesellschaft eben ein bisserl warten, bis ich damit fertig war.

Danach gab’s den Segen für’s Brot und dann ab an die Töpfe.

Das Geschmackserlebnis war merkwürdig unterkomplex. Das Hühnerfleisch war fasrig, geschmacklos und nur aufgetaut, jedoch nicht heiß, Der Reis war ebenso kalt – ich weiß nicht, wie sie das hingekriegt hat. Die Suppe war das Einzige, was ein wenig Geschmack hatte, es ist jedoch nicht schwer eine schmackhaftere Hühnerbrühe zu kochen.

Das Beste war noch der Humus. Danach gab’s ein bisserl Gebäck von SamBooki. Das wär’ wohl noch das Highlight gewesen, denn SamBooki ist wirklich gut, aber das was es da gab, mochte ich eben nicht.

Später bot ich an, das nächste Shabbat-Mahl zu bereiten, und dann kam der Hammer. “Nein”, sagte die Dame, die diesmal gekocht hatte, man würde jeden Shabbat das Selbe Dinner bereiten, denn man mache das um den anderen Gästen zu zeigen, daß es das gibt, und wie toll es sei.

Okay, also gibt’s beim nächsten Kiddush wieder totgekochtes Hüherfleisch, auf kaltem Reis und eine weitgehend geschmacklose Hühnerbrühe. Und anstatt den Leuten zu erklären, was diese Segen eigentlich sollen und anstatt es wirklich richtig und verständlich zu machen, wieder nur die Kurzform heruntergehaspelt, so daß die Touristen die hier am Shabbat eingekehrt sind erfahren, daß der Shabbat ein seelenloses heruntergehaspel von irgendwelchen Sprüchen und dazu wirklich schlechtes Essen ist?

Nein, ich bin nächstes Mal nicht dabei, das ist gewiß!